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Beziehung & Nähe

Living Apart Together ab 50: Zusammen, aber jeder in seiner Wohnung

Living Apart Together ab 50: Wie viele Paare getrennt wohnen, wer zusammenziehen will und was ihr vorher klären solltet – mit Zahlen aus dem Alterssurvey.

Christian M. HaasAktualisiert am 3. November 20267 Min. Lesezeit
Ein Paar um die 60 verabschiedet sich herzlich an der Haustür; er trägt eine kleine Reisetasche, sie lächelt im Türrahmen.

Verliebt, verbindlich, aber jeder in seiner eigenen Wohnung: Was früher als Übergangslösung galt, ist für viele Paare ab 50 ein bewusstes Modell. Fachleute nennen es Living Apart Together, kurz LAT. Zusammen leben, getrennt wohnen.

Wie viele Menschen so leben, wer sich das wünscht und worauf Paare achten sollten, zeigt eine aktuelle Auswertung des Deutschen Alterssurveys. Wir haben die Zahlen für dich aufbereitet.

Das Wichtigste in Kürze

6 %der Menschen ab 43 Jahren leben in einer Partnerschaft mit zwei Haushalten.Deutscher Alterssurvey 2023

10 %sind es bei den 43- bis 55-Jährigen, also jede beziehungsweise jeder Zehnte.Deutscher Alterssurvey 2023

80 %der über 65-Jährigen in einer LAT-Beziehung möchten eher nicht oder gar nicht zusammenziehen.Deutscher Alterssurvey 2023

41.500Menschen ab 50 haben 2022 zum ersten Mal geheiratet. 2002 waren es 7.500.Statistisches Bundesamt 2024

Infografik: 6 Prozent der Menschen ab 43 leben in einer Partnerschaft mit zwei Haushalten, bei den 43- bis 55-Jährigen 10 Prozent; über 65 wünschen sich nur 20 Prozent ein Zusammenziehen

Was bedeutet Living Apart Together?

Ein LAT-Paar ist ein Paar, das sich als feste Beziehung versteht, aber keinen gemeinsamen Haushalt hat. Verheiratet oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Typisch sind zwei Wohnungen in derselben Stadt, manchmal auch in verschiedenen Orten.

Spannend ist: In der amtlichen Statistik tauchen diese Paare gar nicht als Paare auf. Wer allein in seiner Wohnung lebt, zählt dort als alleinstehend, auch wenn er seit Jahren eine feste Beziehung hat. Der Deutsche Alterssurvey fragt deshalb gezielt nach, ob jemand eine Partnerin oder einen Partner hat, unabhängig von der Wohnform.

Wie viele Menschen ab 50 leben so?

Für den Deutschen Alterssurvey (DEAS) wurden zwischen Dezember 2022 und Juni 2023 4.992 Menschen ab 43 Jahren befragt. Das Ergebnis: Knapp zwei Drittel (64 %) leben mit Partner im gemeinsamen Haushalt, 30 % haben keinen Partner und 6 % leben in einer LAT-Beziehung.

So leben Menschen in der zweiten Lebenshälfte

Lebensform nach Altersgruppe, Anteile in Prozent

mit Partner, gemeinsamer Haushaltmit Partner, getrennte Haushalte (LAT)ohne Partner

43 bis 55
56 bis 65
66 bis 75
über 75
Quelle: Bischoff, Hameister & Drewitz, DZA Aktuell 02/2024, Deutscher Alterssurvey 2023 (n = 4.992), gerundet
Alle Zahlen als Tabelle
Altergemeinsamer HaushaltLATohne Partner
43 bis 5572 %10 %18 %
56 bis 6569 %5 %26 %
66 bis 7564 %4 %32 %
über 7543 %2 %55 %
gesamt64 %6 %30 %

Je älter die Menschen, desto seltener leben sie in einer LAT-Beziehung und desto häufiger ganz ohne Partner. Ob LAT-Beziehungen im hohen Alter wichtiger werden, etwa wenn ein Partner ins Pflegeheim zieht, lässt sich aus den Daten laut den Autorinnen noch nicht sagen.

Wer lebt in einer LAT-Beziehung?

Kein Unterschied

  • Geschlecht: Frauen und Männer leben gleich oft so, jeweils 6 %.
  • Einkommen: In allen Einkommensgruppen sind es 6 %.

Deutlicher Unterschied

  • Bildung: Mit Hochschulabschluss leben 9 % in einer LAT-Beziehung, mit mittlerem Abschluss 4 %.
  • Ohne Partner: 39 % der Frauen ab 43 haben keinen Partner, bei den Männern 21 %.

Wollen LAT-Paare irgendwann zusammenziehen?

Ein häufiges Vorurteil lautet: Getrennt wohnen ist nur eine Zwischenstation. Die Zahlen zeigen ein anderes Bild, vor allem bei Älteren.

Wunsch nach einem gemeinsamen Haushalt

Anteil der Menschen in LAT-Beziehungen, die sich ein Zusammenziehen ein wenig oder sehr wünschen

gesamt und nach Geschlechtnach Alter

alle
55 %
Männer
64 %
Frauen
46 %
43 bis 65
62 %
über 65
20 %
Quelle: DZA Aktuell 02/2024, Deutscher Alterssurvey 2023 (n = 218 Menschen in LAT-Beziehungen)

Bei den über 65-Jährigen wünscht sich also nur jede beziehungsweise jeder Fünfte einen gemeinsamen Haushalt. Zwischen Männern und Frauen ist der Abstand groß, wegen der kleinen Fallzahl aber statistisch nicht gesichert.

Vorteile und Stolpersteine

Nach den Gründen fragt die Studie nicht. Diese Punkte solltet ihr aber abwägen, wenn ihr über zwei Wohnungen nachdenkt:

Was für zwei Wohnungen spricht

  • Eigene Routinen, Hobbys und Rückzugsorte bleiben erhalten.
  • Kinder, Enkel und Freundeskreis müssen sich nicht an eine neue Wohnsituation gewöhnen.
  • Die eigene, oft abbezahlte Wohnung oder das Haus bleibt in der Hand.
  • Treffen bleiben bewusste Zeit zu zweit statt Alltagsroutine.

Was schwierig werden kann

  • Zwei Haushalte kosten mehr, und Wege kosten Zeit.
  • Wer wann wo übernachtet, muss immer neu abgesprochen werden.
  • Bei Krankheit oder Pflege fehlt die Nähe im Alltag.
  • Unverheiratete Partner haben rechtlich weniger Befugnisse, etwa im Krankenhaus.

Zum Thema Pflege nennt die Studie eine Zahl aus einer früheren Auswertung (Ehrlich und Kelle 2019): Wer zu Hause gepflegt wird, wird am häufigsten von der (Ehe-)Partnerin oder dem (Ehe-)Partner gepflegt, in etwa 52 % der Fälle. Partner aus einem anderen Haushalt übernehmen das deutlich seltener.

Späte Liebe in Zahlen

Dass Liebe ab 50 kein Randthema ist, zeigen auch die amtlichen Zahlen zu Hochzeiten und Scheidungen:

knapp 7 %der Menschen, die 2022 erstmals geheiratet haben, waren 50 oder älter. 2002 war es gut 1 %.Statistisches Bundesamt

gut 20 %aller Eheschließungen 2022 waren Ehen nach einer Scheidung.Statistisches Bundesamt

47,8Jahre alt sind Männer im Schnitt bei der Scheidung, Frauen 44,7 Jahre.Statistisches Bundesamt, 2022

Viele, die ab 50 neu lieben, bringen also eine Vorgeschichte mit: eine Ehe, Kinder, eine eigene Wohnung. Genau dann wird die Frage nach dem gemeinsamen Wohnen besonders wichtig. Mehr dazu in unseren Beiträgen Neue Liebe nach der Ehe und Patchwork-Familien.

Ist Living Apart Together etwas für euch?

Diese fünf Fragen helfen euch, gemeinsam eine Entscheidung zu finden:

  1. Wie viel Nähe brauchen wir?

    Sprecht offen darüber, wie oft ihr euch sehen wollt und wie viel Zeit jeder für sich braucht. Es gibt kein richtiges Maß, nur ein passendes für euch beide.

  2. Was wird aus unseren Wohnungen?

    Hängt einer von euch an Haus oder Garten? Ist eine Wohnung zu klein für zwei? Oft entscheidet ganz praktisch die Wohnsituation.

  3. Wie sehen es Kinder und Enkel?

    Getrennte Wohnungen können Familien entlasten. Trotzdem lohnt es sich, die eigene Familie früh einzubeziehen, ohne ihr die Entscheidung zu überlassen.

  4. Wer ist für wen da, wenn es ernst wird?

    Besprecht, wie ihr euch bei Krankheit unterstützen wollt. Wer nicht verheiratet ist, sollte über eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung nachdenken.

  5. Wie teilen wir Kosten und Zeit?

    Wer fährt zu wem, wer zahlt was beim gemeinsamen Urlaub? Klare Absprachen verhindern stille Rechnungen.

Fazit

Living Apart Together ist in der zweiten Lebenshälfte kein Massenphänomen, aber eine bewusste Wahl. Rund jede beziehungsweise jeder Zwanzigste ab 43 lebt so, und die meisten Älteren in einer LAT-Beziehung wollen daran nichts ändern.

Für die Partnersuche ab 50 heißt das: Eine neue Liebe muss nicht bedeuten, die eigene Wohnung aufzugeben. Sprich früh darüber, wie ihr leben wollt. Das nimmt viel Druck aus einer neuen Beziehung.

Häufige Fragen

Was bedeutet Living Apart Together?

Living Apart Together, kurz LAT, bezeichnet Paare, die eine feste Beziehung führen, aber in getrennten Wohnungen leben. Ob sie verheiratet sind, spielt keine Rolle.

Wie viele Menschen ab 50 leben in einer LAT-Beziehung?

Laut Deutschem Alterssurvey 2023 leben 6 % der Menschen ab 43 Jahren in einer LAT-Beziehung. Bei den 56- bis 65-Jährigen sind es 5 %, bei den 66- bis 75-Jährigen 4 % und bei den über 75-Jährigen 2 %.

Wollen LAT-Paare irgendwann zusammenziehen?

Etwas mehr als die Hälfte wünscht sich einen gemeinsamen Haushalt (55 %). Bei den über 65-Jährigen sind es aber nur 20 %, 80 % möchten eher nicht oder gar nicht zusammenziehen.

Ist eine Beziehung mit zwei Wohnungen weniger verbindlich?

Nicht automatisch. Viele Paare entscheiden sich bewusst für getrennte Wohnungen, etwa wegen Familie, eigenem Zuhause oder Routinen. Entscheidend ist, dass beide dasselbe wollen und offen darüber sprechen.

Was sollten unverheiratete Paare ab 50 rechtlich regeln?

Das gesetzliche Notvertretungsrecht in Gesundheitsfragen gilt nur für Ehepartner. Unverheiratete Paare sollten über eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung nachdenken und sich bei Bedarf beraten lassen.

Quellen & Transparenz

Titelbild: KI-generiertes Symbolbild. Infografik: eigene Darstellung nach DZA Aktuell 02/2024, korrigierte Fassung vom Juni 2025.

  • Bischoff, L., Hameister, N. & Drewitz, M. (2024): Weder alleinstehend noch zusammenlebend: Living-Apart-Together in der zweiten Lebenshälfte. DZA Aktuell 02/2024, Deutsches Zentrum für Altersfragen. dza.de (PDF)
  • Bünning, M. (2022): Ältere Menschen in Partnerschaft: Befunde des Deutschen Alterssurveys (DEAS) 1996–2020/21. DZA-Fact Sheet. dza.de (PDF)
  • Statistisches Bundesamt (2024): Menschen in Deutschland bei erster Heirat immer älter. Pressemitteilung N007 vom 8. Februar 2024. destatis.de
  • Bundesministerium der Justiz: Notvertretungsrecht für Ehegatten (§ 1358 BGB), seit 1. Januar 2023. gesetze-im-internet.de

Verfasst von

Christian M. Haas

Autor & Dating-Experte bei ab50.de

Christian M. Haas schreibt über Online-Dating ab 50, Profilwirkung, Kommunikation, Sicherheit und neue Nähe in späteren Lebensphasen – ruhig, verständlich und praxisnah.

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