{"id":70,"date":"2020-04-14T20:57:26","date_gmt":"2020-04-14T18:57:26","guid":{"rendered":"https:\/\/ab50.de\/magazin\/?p=70"},"modified":"2026-03-30T12:52:11","modified_gmt":"2026-03-30T10:52:11","slug":"scheidung-im-alter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ab50.de\/magazin\/scheidung-im-alter\/","title":{"rendered":"Scheidung im Alter"},"content":{"rendered":"<p>Scheidungen kommen in jedem Alter vor, also auch in h\u00f6heren Lebensjahren. Sie sind dann allerdings aus zwei Gr\u00fcnden belastender:<\/p>\n<ol>\n<li>Die Trennung schafft mangels verk\u00fcrzter Lebensperspektive ein tiefes emotionales Loch, denn die Hoffnung, \u201eirgendwann\u201c noch einmal die <a href=\"https:\/\/ab50.de\/magazin\/grosse-liebe-ab-50\/\">\u201egro\u00dfe Liebe\u201c zu finden<\/a>, gibt es ab einem bestimmten Lebensalter nicht mehr. Dazu reichen weder die verbleibende Lebenszeit noch die gesundheitlichen Voraussetzungen.<\/li>\n<li>Ein \u00e4lteres Ehepaar ist miteinander zutiefst finanziell verwoben. Es sind also brisante Fragen zu kl\u00e4ren: Wie geht man mit der gemeinsamen Immobilie um, wie werden die Konten getrennt, <a href=\"https:\/\/www.scheidung.org\/c\/unterhalt\/\">wer zahlt wem Unterhalt<\/a>, was ist mit dem Erbe?<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Trennung im Alter: Woran sollten Sie unbedingt denken?<\/h2>\n<p>Die beiden unter #1 und #2 genannten Blickwinkel sollte sich jedermann \u00fcberlegen, der\/die sich in einem h\u00f6heren Lebensalter scheiden lassen m\u00f6chte. Zwar kann das Zusammenleben schwierig sein oder geworden sein, sodass der Gedanke der Freiheit vom Ehezwang zun\u00e4chst verlockend wirkt. Doch es folgt anschlie\u00dfend unvermeidbar der Verlust der absoluten N\u00e4he, den auch Freundschaften und die Familie nicht kompensieren k\u00f6nnen. Au\u00dferdem gilt es, die wirtschaftlichen und rechtlichen Konsequenzen zu bedenken. Hier gelten grunds\u00e4tzliche gesetzliche Regeln, die nicht an das Lebensalter gebunden sind. Es ist eine Aufteilung der gemeinsamen G\u00fcter zu vereinbaren, die sich entweder aus einem Ehevertrag oder aus den gesetzlichen Regelungen des Zugewinn- und Versorgungsausgleichs ergibt. H\u00e4ufig muss beides kombiniert betrachtet werden, denn ein Ehevertrag setzt den Zugewinn- und Versorgungsausgleich nicht prinzipiell au\u00dfer Kraft. Idealerweise schlie\u00dft ein Paar, das an die Scheidung denkt und m\u00f6glicherweise schon in Trennung lebt (oder diese unmittelbar vorbereitet), eine Scheidungsfolgenvereinbarung ab. Die Scheidung selbst kann online sehr kosteng\u00fcnstig durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<h2>Wie oft kommt die Scheidung im Alter vor?<\/h2>\n<p>Das Statistische Bundesamt hat weist aus, dass sich die Zahl der Scheidungen nach 26 oder mehr Ehejahren im letzten Vierteljahrhundert ab Mitte der 1990er Jahre bis heute (2020) in etwa verdoppelt hat. Knapp 50.000 Paare im Alter ab 50 Jahren haben sich 2019 in Deutschland scheiden lassen. Das ist ein Anteil von ~15 % an allen Scheidungen, wobei der Schwerpunkt des Ph\u00e4nomens in den Ballungsr\u00e4umen liegt. Die Ursachen sind vielf\u00e4ltig. Grunds\u00e4tzlich muss eine Ehe Wandlungen ertragen. Sie ergeben sich durch die Geburt der Kinder und rund 20 Jahre sp\u00e4ter durch deren Auszug aus der Wohnung (ein tiefer Einschnitt!), aber auch durch ver\u00e4nderte berufliche und finanzielle Perspektiven der Partner, ver\u00e4nderte Interessen und nicht zuletzt durch die Wandlungen des K\u00f6rpers, der mit zunehmenden gesundheitlichen Krisen k\u00e4mpft. Diese k\u00f6nnen die fr\u00fcher gewohnte k\u00f6rperliche Intimit\u00e4t stark reduzieren, die ein wichtiger Kitt f\u00fcr jede Ehe ist. Wenn nun ein Partner deutlich ges\u00fcnder als der andere ist, f\u00fchrt das zu unvermeidlichen Spannungen. Dieses werden jedoch nicht mehr so gut ertragen wie in jungen Jahren. Ein wesentliches Merkmal h\u00f6herer Lebensjahre ist die abnehmende Stressresistenz bzw. -resilienz, die schon nach dem 50. Geburtstag deutlich zu sp\u00fcren ist. Die Menschen brauchen ihren Rhythmus, feste Gewohnheiten, Sicherheit, den lange geplanten Urlaub und warme Pantoffeln. Streit brauchen sie nicht mehr. Der Streit von Ehepartnern kann unter Umst\u00e4nden unmittelbar auf die Gesundheit durchschlagen. Ist es ein Wunder, dass so mancher da eher an Trennung denkt?<\/p>\n<h2>Das Problem mit dem Unterhalt<\/h2>\n<p>Auch wenn viele Frauen von 50+ heutzutage finanziell gut aufgestellt sind, dauerhaft berufst\u00e4tig waren und ihr Leben lang in die Rentenkasse eingezahlt haben, sollten sie bei einer Scheidung im Alter den Anspruch auf ehelichen Unterhalt (neben der Verm\u00f6genstrennung) nicht vergessen. Er ist umso wichtiger, je gr\u00f6\u00dfer der Einkommensunterschied zwischen beiden Partnern ist. Es gibt auch wenige umgekehrte F\u00e4lle, in denen die Frau deutlich mehr verdient (hat), au\u00dferdem gibt es verheiratete oder in eingetragener Lebenspartnerschaft lebende gleichgeschlechtliche Paare mit Einkommens- und Verm\u00f6gensunterschieden. Daher w\u00e4hlen wir an dieser Stelle das Beispiel \u201eEhefrau hat weniger als Ehemann verdient\u201c nur rein plakativ. Es l\u00e4sst sich auch auf die anderen Konstellationen anwenden. \u00c4ltere Ehepaare m\u00fcssen zun\u00e4chst ihre oft hohen Verm\u00f6genswerte aufteilen. Das ist per se schon schwer, denn es gilt zun\u00e4chst, deren Wert zu ermitteln. Auch droht schon im Falle der Trennung vor der eigentlichen Scheidung, dass jeder Partner einzelne Verm\u00f6genswerte heimlich beiseiteschafft. Das n\u00e4chste Problem ergibt sich aus der Krankenversicherung. Ehegatten, die bislang von der gesetzlichen Familienversicherung profitiert haben (beim Ehepartner mitversichert waren), m\u00fcssen sich nun selbst versichern, was ab dem 55. Lebensjahr in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht mehr m\u00f6glich ist und in der privaten Krankenversicherung sehr teuer wird.<\/p>\n<h2>Aufteilung von Verm\u00f6genswerten (Zugewinnausgleich)<\/h2>\n<p>Ohne Ehevertrag gilt in Deutschland grunds\u00e4tzlich der Zugewinnausgleich. Das bedeutet: Was das Ehepaar gemeinsam w\u00e4hrend der Ehe erworben oder an Schulden aufgenommen hat, wird h\u00e4lftig geteilt. Was ein Partner in die Ehe eingebracht hat, bleibt au\u00dfen vor. Es gibt bei den Schulden die Ausnahme, dass ein Partner f\u00fcr diejenigen Schulden alleine haftet, die er allein f\u00fcr sein absolut eigenes Hobby aufgenommen hat. Eine Einschr\u00e4nkung des Zugewinnausgleichs kann sich durch einen Ehevertrag ergeben. Zu diesem ist unter anderem zu raten, wenn<\/p>\n<ul>\n<li>ein Partner ein Unternehmen gr\u00fcndet oder<\/li>\n<li>ein Partner aus einer sehr verm\u00f6genden Familie stammt und aus dieser hohe Zuwendungen\/Erbschaften erwarten kann.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der Praxis wird es aber nicht so sein, dass der Unternehmer alle seine Werte vollkommen f\u00fcr sich allein behalten kann. Dennoch wird man andererseits die Firma nicht ver\u00e4u\u00dfern (zerschlagen) wollen, um eine gerechte Verm\u00f6gensaufteilung zu schaffen. Daher wird die hohe Differenz zwischen den Verm\u00f6genswerten und dem Einkommen des Unternehmers durch den Ehegattenunterhalt und Versorgungsausgleich an seine Ex-Gattin geregelt.<\/p>\n<h2>Ehegattenunterhalt und Versorgungsausgleich<\/h2>\n<p>Die Einkommensdifferenz beim Arbeitseinkommen und bei der Rente wird durch den Ehegattenunterhalt und den Versorgungsausgleich bei den Rentenanwartschaften oder der schon flie\u00dfende Rente geregelt. Hierf\u00fcr gibt es recht feste S\u00e4tze, die per Scheidungsurteil gelten.<\/p>\n<h2>Fazit: Vorsorgen durch Scheidungsfolgevereinbarung<\/h2>\n<p>Sorgen Sie mit einer Scheidungsfolgevereinbarung vor, wenn Sie die Scheidung ernsthaft ins Auge fassen. Sie kennen dann die wahren Konsequenzen dieses Schritts. Mit dieser Vereinbarung k\u00f6nnen Sie sich sogar vor\u00fcbergehend bzw. vorl\u00e4ufig trennen. Sie sind damit abgesichert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Scheidungen kommen in jedem Alter vor, also auch in h\u00f6heren Lebensjahren. 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